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Nov. 15

Vielstimmiges Gedenken 2025

  • 15. November 2025

Mit einem gemeinsamen Gesang auf dem Theaterplatz setzte Weimar am Sonntagabend, dem 9. November 2025, ein eindrucksvolles Zeichen des Erinnerns. Rund 400 Menschen kamen zusammen, um das jiddische Lied „Dos Kelbl“ anzustimmen. Das 1940 entstandene Lied, das von einem Kälbchen erzählt, das zur Schlachtbank geführt wird, steht sinnbildlich für die Deportation von Menschen in die Konzentrationslager. Der gemeinsame Gesang bildete den Abschluss des „Vielstimmigen Gedenkens“ an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938.

Die Gedenkveranstaltung wurde vom „Weimarer Netzwerk 9. November“ organisiert und war zugleich Teil einer Themenwoche zur Erinnerungskultur, die vom 9. bis 14. November in Weimar stattfand. Im Mittelpunkt standen Fragen einer zeitgemäßen demokratischen Gedenkkultur – vom dezentralen Erinnern im Stadtraum über ein Diskussionsforum bis hin zu künstlerischen Formaten.

Den Auftakt bildete um 17 Uhr eine Andacht am historischen Marstall. Der Ort, der zwischen 1936 und 1945 als Gestapo-Leitstelle in Thüringen diente, war bewusst als Ausgangspunkt gewählt. Von dort aus zogen Gruppen und Chöre mit Kerzen durch die Stadt, um an acht Stolpersteinen innezuhalten – in der Luthergasse, am Brühl, in der Teichgasse, in der Karlstraße, in der Windischenstraße, in der Schillerstraße, in der Wielandstraße und in der Steubenstraße. Dort wurde an die individuellen Schicksale jüdischer Bürgerinnen und Bürger erinnert, die einst in Weimar lebten und verfolgt wurden.

Gegen 18.15 Uhr kamen die Teilnehmenden wieder auf dem Theaterplatz zusammen. Dort hielt Rikola-Gunnar Lüttgenau von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora die Abschlussansprache, bevor alle Anwesenden gemeinsam „Dos Kelbl“ – dirigiert von Johanna Bergk – sangen. Das öffentliche Mitsingen war ausdrücklich Teil des Konzepts und verlieh dem Gedenken eine besondere gemeinschaftliche Kraft.

Wir danken allen Teilnehmenden für ihr Engagement und ihre Anteilnahme an diesem wichtigen Gedenktag. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen gegen das Vergessen und für eine Gesellschaft, die Antisemitismus und Ausgrenzung entschieden entgegentritt.

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